An dieser Stelle erfolgt die Veröffentlichung herausragender und herausgeragter Texte aus der Schreibwerkstatt unserer Enrichment - Kurse:

Von Märchen, Erzählungen, Gedichten, alles, was unsere 5. und 6.Klässler zu präsentieren gedenken. Diese visualisierte Präsentation soll auch als Art von Verbeugung gegenüber den Schülern und ihrer "Produkte" sein...

Viel Spaß beim Lesen, viel Freude beim Nachmachen!

Flora und die Ungeheuer

Es war einmal eine Gemeinschaft von Kriegern, die zog Tag und Nacht aus, um Gutes zu vollbringen. Ihre Mitglieder waren liebenswürdig und mutig. Sie nannten sich „die Beschützer des Mondes“. Ihr Lager war in einem riesigen ausgehöhlten Baum, der sich in einem wunderschönen Wald befand. Der Anführer der Gemeinschaft hieß Ramodes. Er war herzensgut und half, wo er nur konnte. Herzensgut war auch seine Tochter Flora. Aber sie war auch wild und furchtlos. Heimlich trug sie ein Schwert bei sich, das sie schon oft gerettet hatte.

Flora übte gerade wieder Kampftechniken, als sich plötzlich der Himmel verdunkelte und schwere Schritte zu hören waren. Hektisch sah sie sich um. Sieben riesige Ungetüme hatten das Lager der Gemeinschaft umzingelt. Die Krieger griffen sofort zu den Waffen, um sich zu verteidigen. Flora zog ebenfalls ihr Schwert aus der Scheide und stieß es mutig einem in den Fuß. Jaulend flüchtete es. Flora stürzte sich erneut ins Getümmel, aber die schrecklichen Wesen gaben nicht nach. „Wir werden verlieren“, dachte sie verzweifelt. Plötzlich jedoch ließen die Ungeheuer wie auf ein gemeinsames Zeichen von den Kriegern ab. Triumphierend stampften sie in den Wald zurück. Flora sah in den Pranken der Bestien zappelnde Gestalten. „Das sind meine Gefährten!“ , schoss es ihr durch den Kopf. Ramodes rief: „Die Ungeheuer haben drei unserer besten Krieger entführt! Wir müssen sie retten!“

Du musst sie retten! Du bist die einzige, die das kann! Aber sei vorsichtig!“, rief eine Stimme in ihrem Kopf. Verwirrt blickte Flora sich um, aber sie sah niemanden. Als sie die Stimme noch einmal hörte, beschloss sie, die entführten Krieger zu befreien. In der Ferne sah sie Bäume wackeln. Dort mussten die Scheusale gerade sein. Sie rannte in diese Richtung. Flora hörte nicht mehr, wie ihre Freunde ihr hinterher riefen, sie solle zurückkommen. Flora hetzte und stoppte abrupt. Vor ihr war eine riesige Gruppe von Ungeheuern. Sie hatte es geschafft. Flora war am Lager der schrecklichen Gesellen. Sie sah, dass eine Höhle streng bewacht wurde. Da mussten ihre drei Gefährten gefangen sein. Fieberhaft überlegte Flora, wie sie die Kämpfer ihrer Gemeinschaft befreien konnte. Viel Zeit blieb ihr nicht mehr, denn bald würden die Ungetüme sie riechen können und nach ihr suchen. Da fiel ihr eine List ein. Sie blickte sich um und sah das, was sie brauchte. Eine Liane! Schnell kletterte das mutige Mädchen auf einen Baum und befestigte ein Ende der Liane an einem dünnen Ast. Dann rutschte sie den Baum wieder hinunter und schlich mit dem anderen Ende der Liane in der Hand um das Lager herum. Flora suchte sich einen geeigneten Platz hinter der Höhle, in der sie die Kameraden vermutete. Geduldig wartete sie ab. Die Liane zitterte in ihrer Hand, solche Angst hatte sie, entdeckt zu werden. Da, der richtige Augenblick war gekommen! So gut sie konnte, zog sie an der Liane. Alle Blicke der schrecklichen Wesen richteten sich auf den Ast, an dem Flora das Ende der Liane befestigt hatte. Blitzschnell rannte das Mädchen nun in die dunkle Höhle. Sie musste sich beeilen, denn bald würden die Ungeheuer merken, dass es nur ein Zweig war, der geraschelt hatte. „Hallo“, flüsterte sie, „Ist da jemand?“ „Ja, hier hinten!“, wisperte eine schwache Stimme. Vorsichtig tastete sich Flora in den hinteren Teil der Höhle vor. Endlich spürte sie jemanden ganz nahe. „Ich komme, um euch zu befreien. Ich bin es, Flora“, ermutigte Flora die Gefangenen. „Wir sind ganz fest gefesselt“, sagte eine andere Stimme. „Auch die Füße?“, fragte Flora. „Ja!“ Flora taste nach den Handfesseln des ersten Kriegers. Sie hatte Angst, dass sie mit ihrem Schwert statt der Fesseln die Hände des Freundes traf. „Ich hab keine andere Wahl. Ich muss das jetzt wagen“, dachte sie. Flora hob ihr Schwert und schlug zu. Einen Moment war Totenstille. Doch dann jubelte der Krieger leise. „Du hast es geschafft!“. Ermutigt durch den Erfolg zerschnitt Flora auch die Fußfesseln und die Fesseln der anderen beiden Gefährten. Leise schlichen sich die Krieger hinter Flora aus der Höhle.

Kaum waren sie aus dem dunklen Bau heraus, rannten sie, was das Zeug hielt, zu ihrem Lager zurück. Dort wurde Flora wie eine Heldin empfangen. Sie vollbrachte noch oft mutige Taten, über die in vielen Geschichten berichtet wurde.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute.

(Mara, Klasse 5)

Die verschwundenen Zwerge

Es waren einmal zwei arme Eltern mit ihren Kindern. Sie lebten in einer kleinen Hütte im Wald. Die Töchter hießen Pia und die jüngere Lisa. Ihre Eltern Leon und Paula arbeiteten beide auf dem Schloss. Pia musste tagsüber immer auf ihre Schwester aufpassen, da eine böse Hexe in der Nähe hauste. Seitdem die Zwerge, die bei ihr wohnten und im Haushalt halfen, fortgelaufen waren, wurde sie garstig. Alles, was sie in die Hände bekam, zerstörte dieses Ungetüm. Deshalb musste irgendjemand bei Lisa sein, denn sie hatte schon früher Begegnungen mit der Hexe, die sich Ella nannte. Mal wieder langweilten sich die Geschwister. Schließlich gingen sie tiefer in den Wald, um Pilze und Beeren für das Mittag zu sammeln. Als der Korb voll war, trödelten die Mädchen retour. Zuhause angekommen hörte man Ella fluchen. „Komm schnell und versteck dich“, flüsterte Pia Lisa zu. Sie näherte sich. Schon rutschte das erste Bündel Stroh vom Dach. „Der arme Zauberstab“, dachte Lisa laut nach. Doch immerhin so leise, dass das zornige Wesen es nicht mitbekam. Keiner hatte den Zauberstab bisher gesehen. Nur der Nachbar hatte magische Geräusche gehört. Endlich hatte sich die Hexe verzogen. Der Schaden war groß. Bäume waren verzaubert und Büsche platt getrampelt. Kurze Zeit später kamen ihre Eltern. „Wie sieht es denn hier aus?“, fragte Paula. Auch Leon war fassungslos. „So kann das nicht weitergehen!“, schimpfte er, als Pia und Lisa alles erzählt hatten. Zusammen schmiedeten sie einen Plan. Die Nacht wollten alle warten, bis Ella wiederkam, ihr dann den Zauberstab wegnehmen und wenn sie in die selbstgebaute Falle getreten war, versuchen die Frau zur Vernunft zu bringen. „Tut uns die Hexe auch nichts?“, fragte Lisa ängstlich. „Nein!“, antwortete ihr Vater beruhigend. „Psst!“, zischte Paula nach einer Weile, „Ella kommt.“ Das Biest schlich zur Hütte und es geschah wie geplant. Die Magierin fiel in eine mit Blättern bedeckte Falle. Nun eilten die Eltern herbei und Leon nahm Ella den Zauberstab weg, doch als er ihn in den Händen hielt, merkte er dass es nur ein Stock aus Holz war. „Ja, es stimmt!“, begann die Hexe, „eigentlich experimentiere ich nur mit selbst gemischten Zaubertränken.“ Sie erklärte, dass die Gehilfen hineinkamen, als sie gerade eine neue Mischung ausprobierte und sie auf einmal verschwunden waren. Die ganze Familie schwieg. „Nun holt mich endlich hier raus!“, brüllte das Ungetüm. „Ganz in Ruhe! Vielleicht können wir dir helfen“, schlug Leon vor. „Aber nur, wenn du ab jetzt nett bist und nichts mehr zerstörst!“ fügte Paula schnell noch dazu. „Wirklich?“, stotterte Ella. „Ja!“ bestätigte Leon. Am Morgen gingen die Eltern zum Schloss zu ihrer Arbeit. Dort besorgten beide das Gegenmittel. Als sie wieder da waren, musste Ella das Mittel auf den Handrücken schmieren und einen Spruch aufsagen. Plötzlich standen die Zwerge da. Die Hexe schloss alle drei in die Arme. Es lebte jeder Waldbewohner glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. 

(Anne, Klasse 5)

Schattengestalten

Es gab einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, ein Dorf in Frankreich, auf dem ein Fluch lag. Er ließ die Menschen kraftlos werden, bis sie zum Schluss nur noch ein grauer Schatten ihrer selbst waren, der nach einiger Zeit gänzlich von der Erde verschwindet.

In diesem Dorf lebte die fünfzehnjährige Shanaya. Ihr Vater musste in den Krieg ziehen, und die Mutter war von dem Fluch befallen. Sie lag nur noch teilnahmslos im Bett. Ihre Haut wurde schon blass, fast durchsichtig. Als die ihres elfjährigen Bruders auch langsam erbleichte, machte sich Shanaya auf die Suche nach dieser unbekannten Kraft. Erst zögerte sie, denn ihre Familie allein zu lassen, war schwer. Aber es war wichtig, den Grund für diesen Fluch heraus zu finden.

Da ihre Eltern genug verdient hatten, konnte sie sich eine Kutsche leisten, die sie sieben Tagesritte weit in die Hügelkette brachte, in der das ganze Unglück begonnen hatte. Für die Pferde wurde der Weg bald zu schmal, also musste der Kutscher Shanaya absetzen.

Sie wanderte lange, sehr lange. Nach drei Tagen ragte vor ihr ein riesiger Turm auf, dessen Spitze fast an die Wolkendecke stieß. An ihm waren keine Fenster. Doch durch seine Tür zwängte sich ein schwacher, rötlicher Lichtstrahl. „Ich werde hineingehen und nachgucken, ob dort jemand wohnt.“, sprach sie laut ihre Gedanken aus.

Im Inneren des Turmes herrschte reges Treiben. Von innen war er viel größer, als Shanaya gedacht hätte. Sie schnappte nach Luft. Hier liefen überall gräuliche Gestalten herum. „Die Menschen!“, dachte sie. All die Menschen, die der Fluch aus dem Leben gerissen hatte!

„Shanaya!“, rief plötzlich eine, ihr nur allzu bekannte, Stimme. „Lucy?“, fragte sie. „Ja, ich bin´s!“ Lucy, ihre Freundin, die von dem Fluch befallen und eines Morgens verschwunden war. „Was ist hier bloß passiert?“, wollte Shanaya wissen. „Keine Ahnung.“, kam die Antwort zurück. „Man kommt hierher und irrt die Treppen hinauf, wieder herunter, wieder hinauf. Seit ich hier bin, habe ich nichts anderes getan!“. „Geht ihr nicht hinaus?“ „Nein, niemals. Keiner kann noch etwas greifen oder bewegen.“ Shanaya machte ein nachdenkliches Gesicht. „Was ist da oben?“. Lucy erwiderte: „Mmh, das würde ich auch gerne wissen.“ „Wie meinst du das?“ „Wenn wir die letzte Stufe betreten haben, zieht uns ein starker Sog wieder nach unten.“ „Begleitest du mich trotzdem nach oben?“ „Ja, soweit ich mitkommen kann.“ Und so schlängelten sie sich die sieben langen Treppen empor.

Auf der letzten Stufe wollte Shanaya Lucy festhalten, aber sie glitt wieder hinab.

Also musste sie allein einen schmalen Flur entlang gehen. An dessen Ende war eine strahlend weiße Marmortür. Auf ihr waren hässliche Fratzen angebracht, die hämisch grinsten. Die Tür war nicht verschlossen. „Seltsam“, dachte Shanaya. Oder vielleicht doch nicht! Hier konnte ja keine Schattengestalt herkommen. Sie drückte die Steinpforte auf. Alles, was hinter ihr zu sehen war, war ein Hocker, auf dem ein Samtkissen mit einer rot leuchtenden Kugel lag.

Shanaya ging näher an sie heran, wobei sich das rote Licht zu einer Szene zusammenfügte, die augenscheinlich in ihrem Dorf stattfand. Sie sah eine junge Frau, die auf einem Scheiterhaufen an einem Pfahl festgebunden war. Sie schrie. Ihre Gesichtszüge verzerrten sich vor Wut. Zwölf Männer und zwölf Frauen standen daneben. Der Haufen loderte auf. Die Hexe schrie, dass sie das ganze Dorf bis in alle Ewigkeiten verfluchen werde. Eine Frau mit einem Kind auf dem Arm rief: „Verbrennt die Hexe!“. Doch als der Reisighaufen weg war, war auch die Hexe verschwunden.

Shanaya stolperte zurück und bemerkte ein kleines Bild der jungen Frau.

„Was auch immer das alles zu bedeuten hat, ich muss die Kugel zerstören!“ Ihr Instinkt hatte sie zu dem Gedanken getrieben, dass der Fluch, die Verwandlung der Menschen in Schattengestalten, die Hexe und die Kugel zusammenhingen. Letztere nahm sie in beide Hände und wollte sie fallen lassen, doch ihre Augen waren wie in einen Bann gezogen von dem Licht, das von ihr ausging. Aber sie riss sich los und ließ die Kugel fallen. Es splitterte. Die Welt zerbrach.

Und dann war alles vorbei. Die Schattengestalten wunderten sich über ihre wiedergewonnenen Körper. Shanaya ging mit Lucy nach Hause.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…

(Lianne, Klasse 5)

Die mutige Hexe

Es war einmal eine Hexe, die allen nur Gutes wollte. Sie wohnte zwar in einem Wald, war aber die offizielle Hexe der Königsfamilie und wollte sie beschützen, selbst mit ihrem eigenen Leben. Sie lebten glücklich miteinander, doch an der Grenze des Königreiches lebten habgierige Zwerge, die nichts anderes im Sinn hatten als das Königreich zu erobern und zu vernichten. Die Hexe hatte zwar eine Zauberkugel, aber sie war erst 250 Jahre alt und hatte noch nicht genug Kraft, sie zu benutzen. Eines Tages kam ein Bote zur Hexe in den Wald. Er war nassgeschwitzt und keuchte, so schnell war er gerannt. „Die Zwerge greifen an“, sagte er, dann sackte der Bote zusammen. Sofort packte die Hexe ihre sieben Sachen zusammen und ging los zum Königshaus. Als sie ankam, sahen ihre Augen, wie abertausende von Soldaten aus dem Schloss rückten. Schnell eilte sie zum König. „Herr! Ich könnte mit den Zwergen verhandeln. Sie wissen, dass ich stärker bin, vielleicht muss es dann gar nicht erst zu einem Krieg kommen.“ Der König dachte nach: „Na gut, aber wenn es zu gefährlich wird, kommst du sofort zurück. Wir brauchen dich“. Die Hexe rannte, so schnell sie nur konnte, an den Rand des Königreiches. Als sie das Lager der Zwerge entdeckte, lief ihr ein Schauer über den Rücken. „Was willst du hier?“, fragte eine mordlustige Stimme aus dem Hintergrund. „Mit euch verhandeln. Muss dieser Krieg denn überhaupt sein?“, fragte die Hexe. „Vielleicht werden wir nicht angreifen. Aber nur unter einer Bedingung. Du musst eine Aufgabe erfüllen. Säge mit deinem kleinstem Messer in einer Stunde eine hundert Jahre alte Eiche um. Kein Mensch darf dir helfen und du darfst nicht zaubern.“ Die Hexe überlegte, dann sagte sie, listig wie sie war: „Meinetwegen, obwohl kein 'Mensch' mir helfen darf, werde ich es tun“. Ihr Herz pochte laut, als sie weiter und weiter in den Wald geführt wurde. An der Eiche angelangt ließen die Zwerge sie alleine, und sie fing an zu sägen. Nach einer kurzen Weile rief sie die Tiere des Waldes zusammen. Spechte, Rehe und sogar die Biber kamen und halfen ihr den Baum umzusägen. Nach einer Stunde verabschiedete sich die Hexe von ihren fleißigen Helfern. Als die Zwerge zurückkamen, fanden sie den umgestürzten Baum und die Hexe vor. Die Zwerge ärgerten sich so sehr, dass die Hexe es geschafft hatte, den Baum umzusägen, dass sie sich gegenseitig die Schuld dafür gaben. Die Hexe hörte lautes Schreien und als sie aufblickte, lagen alle Zwerge tot auf dem Boden. Die Hexe kehrte glücklich zu ihrem Heim zurück und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute. 

(Hannah, Klasse 5)